Jenes finnische Wort, das die tiefe Zufriedenheit beschreibt, wenn man sich in ein weiches Kissen sinken lässt – dient als Leitmotiv für unser architektonisches Konzept. Es steht für den Anspruch, möglichst vielen Menschen ein passendes Zuhause zu schaffen, das auf einem sozial verbindenden, gemeinschaftlichen „Kissen“ ruht. Dieses weiche Polster erzeugt räumliche und soziale Qualitäten, die den Bewohnenden ein Gefühl von Ankommen, Entlastung und Zugehörigkeit vermitteln. Das Ergebnis ist eine Hausgemeinschaft, die nicht zufällig entsteht, sondern architektonisch ermöglicht und gefördert wird.
Mit diesem Ansatz wird Nachhaltigkeit auf die Ebene des Konzepts selbst gehoben: als integraler Bestandteil der räumlichen Organisation und sozialen Infrastruktur, nicht als nachträgliche Materialwahl.
Der neue Freiraum setzt die Gartenstadt-Qualitäten Schwamendingens fort und stärkt die Durchgrünung des Quartiers. Die erhöht liegenden Wohnungen gewährleisten ausreichend Privatheit, sodass der Freiraum im Erdgeschoss gemeinschaftlich genutzt werden kann. Ein klares Wegesystem bindet das Haus auf mehreren Niveaus ein: Der Haupteingang im Souterrain öffnet sich zum Eingangsplatz, ein zweiter Eingang im Nordwesten erschliesst das Hochparterre. Zwei Gartentreppen – im Nordwesten zur gemeinschaftlichen Oase und im Südosten zum gemeinschaftlichen Platz – verknüpfen Innenräume und Aussenbereiche. Umlaufende Wege erlauben es, das Haus von aussen vollständig zu umrunden und alle Freiräume zu erreichen.
In Bezug auf die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsperformance stellt die Suffizienz einen entscheidenden Hebel dar. Der Pro-Kopf-Wohnflächenverbrauch ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Die Ursachen hierfür liegen zu einem grossen Teil in den Faktoren Alter, Haushaltszusammensetzung und Eigentumsform. Ein Blick auf die Bauperioden zeigt zudem, dass die durchschnittliche Wohnfläche pro Zimmerzahl deutlich zugenommen hat: Eine Vierzimmerwohnung, die nach der Jahrtausendwende erstellt wurde, umfasst im Durchschnitt 113 m², während eine vergleichbare Wohnung aus den 1980er-Jahren rund 87 m² misst (vgl. Craviolini: Wer braucht wie viel Wohnfläche?). Gleichzeitig steigt die empfundene Wohnqualität nicht proportional zur Fläche, wie Daten des SOEPmonitor Household 1984–2013 belegen.
Im vorliegenden Projekt entsteht durch den Perspektivenwechsel vom Wohnflächenverbrauch hin zum subjektiven Wohnflächenbedarf ein radikal suffizientes Wohnungsangebot. Die intelligente Nutzung der Fläche und die konsequente Minimierung nicht nutzbarer Bereiche ermöglicht eine hohe funktionale Qualität auf kompakter Grundfläche. Die Wohnungen sind so konzipiert, dass sie dank kleinteiliger Raumstrukturen unterschiedliche Lebensphasen, variierende Haushaltsgrössen und temporär erhöhte Belegungsdichten aufnehmen können, wie sie im Verlauf eines Mietverhältnisses typischerweise auftreten.
Ergänzend sorgt ein gut abgestimmtes Angebot an Gemeinschaftsflächen von 2.5 m² pro Wohnung für zusätzliche Nutzungsoptionen und trägt damit zur Reduktion des individuellen Flächenbedarfs bei. Dies fördert nicht nur die räumliche Suffizienz, sondern stärkt auch die Entwicklung einer aktiven Hausgemeinschaft und erhöht damit die soziale Nachhaltigkeit des gesamten Projekts.
Ein weiterer Ansatz zur Erhöhung der Suffizienz besteht darin, jenen Bevölkerungsgruppen ein spezifisches Wohnungsangebot bereitzustellen, die heute einen besonders hohen Pro-Kopf-Flächenverbrauch aufweisen.
13 % (vgl. BFS) der Eltern mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren leben getrennt. Dadurch erhöht sich der durchschnittliche Zimmerbedarf von 1.4 auf 2.3 Zimmer pro Person (vgl. Delbiaggio, Studie BWO, HSLU). Durch die Möglichkeit, zwei klassische 2.5-Zimmer-Wohnungen so miteinander zu kombinieren, dass die Kinderzimmer jeweils beiden Elternteilen zugeordnet werden können, wird der Flächenverbrauch minimiert und gleichzeitig für die Kinder ein durchgehendes Zuhause geschaffen.
Auch ältere Menschen leben oft in zu grossen Wohnungen; die Anreize, dies zu ändern, sind aufgrund der tiefen Bestandesmieten gering. Durch die Möglichkeit, aus zwei 2.5-Zimmer-Wohnungen eine Kombination aus einer 1.5- und einer 3.5-Zimmer-Wohnung zu bilden, entsteht ein räumliches Arrangement, das den Pflegebedarf durch Angehörige direkt adressiert. Es schafft räumliche Nähe und gleichzeitig genügend Rückzugsmöglichkeiten, sodass sowohl für pflegebedürftige Personen als auch für betreuende Angehörige funktionale und soziale Vorteile entstehen. Die familiäre Betreuung stellt zudem eine persönliche und kostengünstigere Alternative zur externen Pflege dar und ermöglicht insgesamt ein günstigeres Wohnen.
Das bewusste Anheben des Untergeschosses in eine Souterrainsituation ergibt auch baurechtlich einen interessanten Effekt: Nach Artikel 13 BZO wird das Untergeschoss als Vollgeschoss gewertet. Diese vermeintliche Einschränkung eröffnet neue Möglichkeiten:
Einerseits kann das Souterrain attraktiv belichtet und als Ankunfts-, Wasch- und Begegnungsort für die Hausgemeinschaft genutzt werden. Andererseits erlaubt der Wegfall eines für die Wohnnutzung möglichen Vollgeschosses, die privilegierte Ausnützung im Dachgeschoss vollumfänglich und attraktiv zu nutzen.
So entsteht ein maximales Wohnraumangebot, das den Rückbau des Bestands in gesellschaftlichen Mehrwert übersetzt: Mehr Raum für möglichst viele Bewohnende bei gleichzeitiger Förderung sozialer Nachhaltigkeit.
Dachgeschoss mit den Qualitäten eines Vollgeschosses
Die Vorteile dieses Ansatzes sind vielfältig. Die im Verhältnis zur Anzahl oberirdischer Vollgeschosse deutlich grösser dimensionierte Fassadenhöhe ermöglicht es, das Dachgeschoss mit der gesetzlich maximal zulässigen Dachneigung von 80° auszuführen (vgl. VB.2012.00531). Dadurch kann das Dachgeschoss nahezu wie ein Vollgeschoss genutzt werden – ohne bautechnisch aufwändige Versprünge oder ineffiziente Restflächen unter der Dachschräge.
Zugleich erlaubt die gleichmässige Verteilung der 2‘799 m² absoluten Ausnützung auf vier Geschosse die Entwicklung eines Grundrisses, der über alle Ebenen – inklusive Dachgeschoss – konsistent funktioniert. Das führt zu einer klaren Struktur, einer stringenten Statik und Schachtorganisation.
Souterrain und Hochparterre statt Unter- und Erdgeschoss
Das angehobene Untergeschoss – das Souterrain – bildet einen gut belichteten sozialen Raum, der die Treppenhäuser verbindet und der Hausgemeinschaft zusätzliche gemeinschaftliche Nutzungen eröffnet. Es erweitert die funktionalen Möglichkeiten der suffizienten, dichter belegbaren Wohnungen, während das Hochparterre einen uneingeschränkt nutzbaren Aussenraum bis an die Fassade ermöglicht – ohne die sonst notwendigen Abstandsfilter zu Erdgeschosswohnungen.
AuftraggeberIn
Stiftung PWG
Auftragsart
Selektiver einstufiger Wettbewerb 1. Rang
Landschaftsarchitektur
Mofa urban landscape studio GmbH