Projektwettbewerb MFH Steinlig, Bassersdorf

  • Offener einstufiger Wettbewerb, 2023

Grundrissdisposition

Grundrissdisposition

 

Im Zeitalter wachsender Urbanisierung und begrenzter Flächenressourcen ist es von entscheidender Bedeutung, bei der Planung von Ersatzneubauten einen nachhaltigen Ansatz zu verfolgen. Bei der Entscheidung, bestehende Gebäude zu ersetzen, sollte das Potenzial der Verdichtung bestmöglich ausgeschöpft werden.

Ausgehend von den vielseitigen Veranden, spannt sich in den Wohnungen ein grosszügiger Raumfluss über zwei Fassadenseiten auf. Kochen, Essen und Wohnen fliessen ineinander und weiten sich in einen offenen Seitenbereich aus, der als Arbeits-, Lese- oder Rückzugsbereich genutzt und durch raumhohe Schiebetüren zum Wohnen zugeschaltet oder abgetrennt werden kann. Zusammen mit der Veranda und dem Balkon entsteht eine gehobene Wohnlandschaft mit diversen Möglichkeiten der Bespielung und unmittelbarem Bezug zum umgebenden Naturraum. Entlang der dritten Fassadenseite jeder Wohnung schliesst sich eine strukturelle Schicht von Zimmern an, in welcher die intimeren Schlafräume durch Verteilräume von den Wohnlandschaften separiert sind. An diese Verteilräumen sind ebenfalls die Nassräume angeschlossen, deren Badewanne den unmittelbaren Sichtbezug zur privaten Veranda bietet. Im nördlichen Teil des Erdgeschosses befindet sich die Pfarrwohnung. Direkt mit der Wohnung verbunden, schliesst sich das Pfarrbüro im Westen an. Neben der internen Verbindung wird das Büro auch durch eine öffentliche Adressierung in unmittelbarer Nähe der Steinligstrasse erschlossen. Extern, aber auch aus dem Treppenhaus, wird der flexibel nutzbare Gemeinschaftsraum / Gästeunterkunft erschlossen. Dieser öffnet sich zum gefassten Aussenbereich im Westen und steht allen Bewohnern und Bewohnerinnen zur Benutzung zur Verfügung.

Eingebetteter Dreispänner

Unter Beachtung aller gegebenen Strassen- und Grenzabstände setzt sich der Baukörper mit breitem Rücken an den nördlichen Parzellenrand. Hangabwärts verschmälert sich die Kubatur zu einer polygonalen Figur und fasst so Aussenräume vor den Wohneinheiten im Osten und Westen. In optimaler Südausrichtung gewährt diese Abwicklung allen Wohnungen eine dreiseitige Ausrichtung samt Ausblick in die Weite und den unmittelbaren Bezug zum umgebenen Grünraum. Das Hochparterre der talseitigen Wohnung wahrt die Distanz zur Umgebung. 

Diese geometrisch optimierte Anordnung des dreispännigen Wohnhauses findet im zentralen Gelenkpunkt ihre interne Erschliessung. Unter Ausnutzung des Geländeverlaufs erschliesst jeder Treppenlauf Wohnungen in den halbgeschossig versetzten Nord- und Südteilen des Neubaus. An den zentralen Treppenraum unmittelbar anschliessend, öffnen sich die Veranden der einzelnen Einheiten. Sie dienen als Auftakt und Entrée in die privaten Wohnungen und nehmen eine Schlüsselrolle der Grundrissorganisation ein. 

Veranda Räume

Die Veranden sind Teil der Wohnungen, jedoch als unbeheizte Aussengeschossfläche ausgewiesen. Da sie je eine Einheit erschliessen, gelten keine erhöhten brandschutztechnischen Anforderungen. So können die Veranda-Räume frei möbliert und genutzt werden und fungieren als zusätzliches Zimmer der Wohnung. Ihre raumhoch verglasten Fassadenöffnungen können komplett geöffnet werden, so dass die Kalibrierung der Veranden zwischen Sommerzimmer und Wintergarten durch die Bewohnenden individuell erfolgen kann. Grosszügig dimensioniert und den Innenräumen gleichwertig materialisiert, entlasten die Veranden zudem den inneren Wohnungsgrundriss. Als klassisches Entree mit ausreichend Platz für Schuhwerk, Pflanzen und Kinderwagen sind sie ebenso wertvoll, wie als ganzjähriger Essplatz im Zwischenklima oder als multifunktionaler Wohnraum in Ergänzung zu den inneren Angeboten. Ganzjährig bieten sie eine wertvolle Ergänzung zum Leben in den Wohnungen. 

Die wirkungsvollste Nachhaltigkeit ist schon im architektonischen Entwurf eines Gebäudes angelegt. Neben der Grundrissdisposition, die mit der Bewohnerschaft wachsen kann, leisten auch die Veranden einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Wohnbaus. Als Sommerzimmer bzw. Wintergärten bieten die Veranden die Möglichkeit den Perimeter der Wohnungen – bei gleichbleibender Wohnfläche – den Jahreszeiten entsprechend zu variieren. Der Perimeter weitet sich im Winter und reduziert sich im Sommer. In den warmen Monaten öffnet sich die Fassade der Veranda und wird zum luftdurchströmten Sommerzimmer. Querlüften und Nachtauskühlen der Wohnungen werden so stimuliert und unterstützt. Im Winter hingegen schliesst sich die Fassade, die Veranda wird zum Wintergarten und bleibt auch ohne direkte Heizung ein voll nutzbarer Raum. Die Exponierung der Glasflächen nach Süden sichern wertvolle Wärmegewinne, welche die Erwärmung der inneren Wohnung spürbar unterstützen.

Konstruktion und Ausdruck

Die Einstellhalle und das Kellergeschoss sind in Massivbauweise aus Ortbeton mit Recyclingzuschlägen konzipiert. Dem Hangverlauf folgend sind beide um ein Halbgeschoss versetzt. So wird die Länge der Einfahrtsrampe der hangseitigen Einstellhalle optimiert und der Aushub wie auch der Betonbedarf reduziert. Auf den massiven Sockel werden die oberirdischen Geschosse in Holzbauweise erstellt. Vorgefertigte, ausgedämmte Holzbauelemente bilden ein ausgesteiftes Kastensystem aus tragenden Innen- und Aussenwänden. Zwischen diesen Wänden spannen Holzelementdecken und laufen – aufgrund ihrer gedämmten Füllung – ohne thermische Trennung in die Veranden und Balkone über. Dieses unkomplizierte Konstruktionsprinzip sichert eine effiziente Planung und Realisierung des Bauvorhabens. 

Spitz gekantete Bleche aus natureloxiertem Aluminium bilden die Gebäudehülle über der hölzernen Konstruktion. Im Wechsel mit den raumhohen Fenstern verleihen sie dem horizontalen Baukörper eine Vertikalität, welche die bewegte Kubatur zu einem homogenen Baukörper zusammenführt. Die tiefen Veranden und auskragenden Balkone akzentuieren das Volumen und geben dem Baukörper Plastizität. Während die Stirnseiten der Holzdeckenelemente auch mit Aluminium verkleidet sind, bleiben ihre Untersichten holzsichtig und ergänzen die metallene Materialisierung des Baus durch ihre natürliche Oberfläche. Eingebettet im Grün der umgebenen Aussenräume verleiht die Metallhaut mit ihren Spiegelungen und Lichtreflektionen dem Wohnungsbau eine verortete, edle Leichtigkeit. Diese gibt dem gehobenen Anspruch der inneren Wohnungen im Äusseren einen passenden Ausdruck. 

AuftraggeberIn

Reformierte Kirche Breite

 

Auftragsart

Offener einstufiger Wettbewerb

 

Statik

Seforb Sàrl

 

Landschaftsarchitektur

Mofa urban landscape studio GmbH

Projektwettbewerb MFH Attikerstrasse, Wiesendangen

  • Selektiver einstufiger Wettbewerb 1. Rang, 2024

Zusammen in der Mitte

Zusammen in der Mitte

Selbstbestimmtes Wohnen innerhalb einer Hausgemeinschaft aber auch das gemeinschaftliche Zusammenleben mit und in dem umgebenden Quartier sind wichtige Leitmotive der Gesewo. Der Vorschlag für die Bebauung der Parzelle in Wiesendangen möchte diese Ansprüche einen funktional optimierten, aber darüber hinaus auch räumlich verwobenen und gemeinschaftsstiftenden Bau und Aussenraum bieten, der sich in die bestehende Umgebung einpasst und einen spürbaren Mehrwert auf allen Ebenen des Zusammenlebens bereithält: in der privaten Wohnung, der inneren Hausgemeinschaft aber auch im Aussenraum und der Begegnung mit der Nachbarschaft.

Mitte und Gelenk

Die entstehenden Aussenräume sind durch das Haus hindurch verbunden. An der Schnittstelle zwischen beiden Gebäudeteilen bietet die gemeinschaftliche Lobby direkten Durchgang, bildet dort aber auch das funktionale Gelenk und die lebendige Mitte des gesamten Wohnhauses. Zirkulation und Begegnung konzentrieren sich in dieser Mitte. Im Erdgeschoss erscheint die Lobby als grosse Halle, in der man die gesamte Höhe des Wohnbaus erleben kann. 81 Quadratmeter frei bespielbare Fläche mit grosser Küche bieten Raum für Veranstaltungen und informelle Treffen der Hausgemeinschaft, dienen aber auch als alltäglicher und gemeinschaftlicher Spielraum für die Kinder des Hauses. Direkt angeschlossen and die Halle bieten zwei flexible Räume Platz für vielschichtige Nutzungen vom Yoga-Raum bis zum Gästezimmer, erlauben aber auch eine potenzielle räumliche Erweiterung für die gesteigerte Variabilität der Lobby-Nutzung.

Im ersten Obergeschoss kreuzen sich die Wege der beiden Treppenhäuser in einem verglasten Galerieraum, der den Blick in die überhohen Bereiche der erdgeschossigen Lobby freigibt. Als Waschraum und/oder zusätzlichen – visuell verbundener aber akustisch getrennter – Spiel-, Arbeits- oder Aufenthaltsbereich bietet diese Galerie eine wertvolle räumliche und funktionale Ergänzung in der gemeinschaftlichen Mitte des Hauses. Im zweiten Odergeschoss, durch ein kreisrundes Oberlicht mit Lobby und Galerie verbunden, setzt sich ein Wintergarten zwischen die beiden Gebäudeteile. Dieser beansprucht ca. die Hälfte der zusätzlich verfügbaren Baumasse gemäss BZO Artikel 25 Abs. 4 und stellt so einen Gewinn an gemeinschaftlich nutzbarer und ganzjährig verfügbarer Fläche innerhalb des Neubaus dar.

Über drei Ebenen bietet diese Mitte des Wohnhauses gemeinschaftliche und selbstbestimmte Nutzungsmöglichkeiten. Das gemeinschaftliche Leben der Hausbewohnerschaft wird hier wiederkehrend neu verhandelt, während in den privaten Wohnungen der individuelle Lebensraum auf flexible und durchaus suffiziente Weise ermöglicht wird.

Potenzial Wintergarten

Über das Treppenhaus lässt sich das energetische Potential des Wintergartens nutzen. Der Wintergarten holt bei Bedarf Sonnenwärme ins Haus und verteilt diese über geöffnete Treppenhäuser, welche zudem die Wärme in Betonwänden speichern. Bei  bedecktem Himmel oder kalten Wetterbedingungen bleibt der Wintergarten geschlossen, wobei er als Zwischenklima (ungeheizt) eine klimatische Pufferzone bildet. Sein Raumklima wird über grosszügige Dachfenster aktiv gesteuert. Zudem dient er der Nachtauskühlung und mittels Kamineffekt unterstützt er die natürliche Belüftung der Erschliessungszone, sodass sich bei warmen Sommertagen ein angenehmer Luftzug in der Lobby etablieren lässt.

Effizientes Holzkonstrukt

Der oberirdische Baukörper wird in Holzbauweise realisiert und durch die betonierten Treppenanlagen ausgesteift. Mit Haupttragachsen im Abstand von rund 3 – 3.5 Meter können die Geschossdecken mit kurzen, für den Holzbau besonders wirtschaftliche Spannweiten ausgebildet werden. Der Neubau sieht gedübelte Holzbrettstapelelemente vor, welche über sichtbare Holzbalken auf Vollholzstützen abgestützt sind. Die vertikale Lastabtragung erfolgt optimal, in direkter Linie über alle Geschosse. Das vorgeschlagene Deckensystem ist nicht nur im Vergleich zu Massivbaudecken, sondern auch im Vergleich zu den meisten Holzdeckensystemen besonders leicht. Die Deckeneigenlasten können damit auf das schalltechnisch erforderliche Mass reduziert werden. Unter Berücksichtigung von Opferschichten kann für alle Holzbauteile ein ausreichendes Tragverhalten bei Brand nachgewiesen werden.

Die grösseren Spannweiten der gemeinschaftlichen Bereiche und der Gewerberäume einerseits und der Fahrgasse in der Tiefgarage andererseits können – weil übereinander – mit mehrfach wirksamen Massnahmen erreicht werden. Die stützen- und unterzugsfreien Gemeinschaftsbereiche werden mit CLT-Decken, die weiträumigeren Gewerberäume mit Abfangträgern resp. CLT-Wänden bewerkstelligt. Mit diesen Massnahmen fallen keine Lasten über der Fahrgasse der Tiefgarage mehr an.

Die Aussteifung gegen Wind und Erdbeben erfolgt über durchgehende Erschliessungskerne in Stahlbeton. Diese werden im steifen Untergeschoss eingespannt. Die erdberührten Untergeschosse selbst werden in Stahlbeton erstellt und können mit der leichten Bauweise flach fundiert werden.

Suffiziente Flexibilität

Von der gemeinschaftlichen Mitte ausgehend werden die Wohnbereiche in beiden Teilen des Neubaus über je ein flächenoptimiertes vierspänniges Treppenhaus erschlossen. Die Wohnungen selbst bieten persönlichen Raum zur freien Gestaltung individueller und sich wandelnder Bedürfnisse. Zwischen betoniertem Treppenhaus und der Gebäudehülle entfaltet sich eine hölzerne Grundstruktur aus Stützen, die in einem zimmerbreiten Raster angeordnet sind. Innerhalb dieses Systems lassen sich die Wohnungen in verschiedenen Konfigurationen organisieren und mit geringem baulichem Aufwand modifizieren. Eine partizipative Beteiligung der Hausgemeinschaft an der Grundrissentwicklung in der Planungsphase ist dadurch mühelos umsetzbar.

L-förmige Anordnungen bieten ein Verteilen der öffentlichen Wohnräume, hallenartige Wohntypen hingegen bündeln diese auf Wunsch an einem Ort. Das System kann mit den Bewohnenden wachsen und schrumpfen. Wohnungen können zusammengeschaltet werden. Innerhalb der Einheiten können innerhalb des Grundrasters zusätzliche Zimmer eingefügt werden. Neben einer hohen Flexibilität gewährt dies auch einen minimierten Flächenverbrauch. Als Pendant zu den Gemeinschaftsflächen der Mitte bilden die Wohneinheiten individuellen, aber auch suffizienten Wohnraum, der für die Bedürfnisse der Bewohnenden ein hohes Mass an Reaktionsfähigkeit und Gestaltungsfreiheit gewährt.

Mit der Natur leben

Mit der Natur leben

Der Aussenbereich sieht einen weitläufigen Freiraum vor, der sich über vier Landschaftsbereiche erstreckt und die Hausgemeinschaft nahtlos mit dem Naturraum verbindet. Auf den Prinzipien ökologischer und sozialer Resilienz möchte die Gestaltung eine Verbindung zwischen den Bewohnern und ihrer Umwelt herstellen. Statt ausschliesslich für Menschen, sollen vielfältige Räume für das gedeihliche und aktive Zusammenleben mit Bienen, Vögeln, Insekten und anderen wirbellosen Tieren entstehen. Symbolisch dafür wächst das Gebäude hinter der Fassadenbegrünung hoch und aus der Umgebung empor. Zu den Schlüsselelementen gehören ein gemeinschaftlicher Regenbrunnen, ein Gartenpavillon als zentraler Treffpunkt, ein Regenteich als spielerische Oase, ein natürlicher Spielplatz in einem Wäldchen und ein Nutzgarten samt Obsthain für gemeinschaftliches Anpflanzen.

Die Hauptflächen werden versickerungsoffen chaussiert. Abwechslungsreiche Wege werden durch mikrotopografische Akzente gestaltet, bei denen Klinker verwendet werden, um Sitzplätze, Parkplätze und Erholungszonen zu definieren.v Es entsteht eine einheitliche und doch vielfältige Raumtypologie, dass zu einem Gefühl der Einheit und Identität der Hausgemeinschaft beiträgt.

AuftraggeberIn

Gesewo

 

Auftragsart

Selektiver einstufiger Wettbewerb 1. Rang

 

Statik

Seforb Sàrl

 

Landschaftsarchitektur

Mofa urban landscape studio GmbH

Mehrfamilienhaus CF Meyerstrasse, Kilchberg

  • selektiver einstufiger Wettbewerb 2. Rang, 2022

Wohnlage

Kilchbergs Wohnlagen oberhalb des Zürichsee bieten nicht nur den direkten Blick aufs Gewässer, sondern auch das Panorama der Glarner Alpen am südlichen Horizont. Die bestehende Hanglage der Ortschaft macht es der Bebauungsstruktur jedoch schwer, sämtlichen Wohnungen beide Vorzüge und zudem eine optimale Besonnung zu gewährleisten. Durch die verschobene Setzung seiner polygonalen Baukörper sichert das vorgeschlagene Neubauprojekt beiden entstehenden Wohneinheiten eine gleichwertige Ausrichtung auf See und Alpenpanorama. In ihrer Dimension an den historischen Bauten Kilchbergs orientiert, zonieren die Baukörper den Aussenraum und fassen zwei geschützte sowie ganztags besonnte Gärten mit zweiseitigem Ausblick. Darunter ebnet das bewohnte Sockelgeschoss die Hanglage für diese grosszügigen Freiflächen und stellt dem so maximierten Aussenraum ein Maximum an hochwertiger Wohnfläche gegenüber.

Frei um einen zentralen Kern mit Lift, Stauraum und Kamin, ordnen sich die Wohnnutzungen des Erdgeschosses an. Entlang der verglasten Südfassade verteilen sich Wohnen, Kochen und Essen zirkular um diese Mitte herum. Zwischen Wohn- und Essbereich lässt sich die Küche vollständig zum Garten hin öffnen und dient diesem als gesellige Bar mit Servicebereich. Zusammen mit dem exponiertem «Gartenzimmer» entsteht durch den attraktiven Wechsel von Innen- und Aussenräumen eine hochwertige Wohnvielfalt, in der sich Räume unterschiedlicher Dimension und Qualität überschneiden – auch in der Vertikalen.

Grundrisse

Ein niedriger Garagenbau für vier Fahrzeuge dient als Filter zu den privaten Aussenräumen und bildet strassenseitig einen befestigten Vorplatz als Adresse der Überbauung aus. Direkte Verbindungen der Garage zu den Einheiten markieren die Hauptzugänge der Wohnungen und erlauben gleichzeitig einen direkten Weg zwischen Fahrzeug und Wohnung. Als Schwellenräume ausgebildet, dienen diese Bereiche für Empfang und Ablegen der Garderobe, bevor man die eigentlichen Wohnräume betritt.

Bezug zum Aussenraum

Der überhohe Wohnbereich im Inneren der Einheiten verbindet das Erdgeschoss mit den Räumen des Obergeschosses. Verglaste Falttüren rahmen diesen Luftraum und ermöglichen es den Bewohnern, die Verbindung als fliessende Raumfolge zu öffnen oder die oberen Bereiche als separierte Individualräumen abzutrennen. Ebenfalls um den zentralen Kern organisiert, lassen sich diese Räume durch Schiebetüren flexibel trennen oder zusammenschalten. Intimer Rückzug wird ebenso möglich wie die grosszügige Ausweitung der erdgeschossigen Wohnnutzung auf eine offene Galerie im Obergeschoss.

Analog dem überhohen Wohnraum zum Obergeschoss schafft ein begrünter Patio die räumliche Verbindung ins Sockelgeschoss. Neben Frischluft und Tageslicht führt dieser auch die Natur des Gartens bis auf die untere Wohnebene. Während die talseitigen Räume durch die Versätze ihrer Wandabwicklung einen geschützten Aussenbezug mit Seeblick erhalten, verleiht der Patio den rückwärtigen Raum eine besondere, intimere Atmosphäre. Durch diesen inneren Garten wird der Sockel nicht als Untergeschoss wahrgenommen, sondern erlangt eine besondere Qualität als helles und grosszügiges Wohngeschoss.

Raum, Licht und Natur greifen harmonisch über alle Ebenen der Wohneinheiten ineinander. Organisch entwickeln sich der innere und äussere Lebensraum zu einem natürlichen Gefüge. Diese Natürlichkeit prägt auch den Ausdruck und die Materialisierung des Neubaus. Massive Bruchsteinmauern bilden den nördlichen Rücken der Wohnungen und setzen sich in den Bodenbelägen des Gartens sowie den Stützmauern Sockels fort. Auf der Südseite ergänzen Fensterrahmen aus Holz und textile Vorhänge den wertigen Kanon natürlicher Materialen. Grossflächige Verglasungen erlauben die ganztägige Belichtung der inneren Räume und tragen so zu einer konsequenten Durchdringung von Innen und Aussen bei. Gleichwertig für beide Einheiten entsteht eine stimmige Wohnatmosphäre, welche die Vorteile der Lage in sich aufnimmt und daraus ein optimales Angebot an Wohnraum aber auch Naturbezug ableitet.

AuftraggeberIn

Privat

 

Auftragsart

Selektiver Wettbewerb, Ersatzneubau Mehrfamilienhaus

Wohnsiedlung Wohnigdachs, Dielsdorf

  • Planerwahlverfahren 2. Rang, 2023

Gemeinschaft erwächst aus einer geteilten Mitte. Schon heute ist der Garten mit seinem Baumbestand der Nabel des «Wohnigdachses». Das alte Doktorhaus und die zugehörige Remise tragen die Identität des Ortes und rahmen einen Binnenraum, der gemeinschaftliches Zusammenleben animiert. Der Entscheid, dieses Ensemble nicht maximal zu verdichten, sichert diese Qualität. Die vorgeschlagene Ergänzung baut den bestehenden Ort minimalinvasiv weiter und aktiviert den Grünraum bis an die Ränder der Parzelle. Durch den Baumbestand vom benachbarten Park abgesetzt, spannt der Gemeinschaftsraum der Genossenschaft von den Neubauten an der Bahnhofstrasse bis zu jenem am nördlichen Rand des Grundstücks. 

Parkhaus

Doch die Gemeinschaft stoppt hier nicht: Sie wird in die Vertikale geführt. Als aussenliegende Erschliessung ist den Wohnungen ein offenes und grosszügiges Holzgerüst vorgestellt. Auf ausladenden Plateaus wird die Gemeinschaft des Gartens bis auf die Dachterrassen fortgesetzt. Diese gewonnenen Aussenräume kompensieren die von den Neubauten besetzte Bodenfläche und erweitern den Garten über sämtliche Ebenen der Neubauten. Jede Wohnung wird zur Erdgeschosswohnung und so zum unmittelbaren Teil des Zusammenlebens. Der Aneignung durch Bewohnerinnen und Bewohnern offen, bieten die Plateaus vielfältige Möglichkeiten der symbiotischen Benutzung, von der die unmittelbare Nachbarschaft wie auch die gesamte Genossenschaft profitiert. Die räumlichen Schwellen zwischen Gemeinschaft und Individuum verschwimmen und werden zugunsten des geteilten Lebensraums für ein nachhaltiges Zusammenleben neu und immer wiederkehrend verhandelt.

Schwellenraster

Dauerhaftigkeit ist die erste Form der Nachhaltigkeit. Die gesicherte Langlebigkeit der Gemeinschaft und ihren Bauten ist die Basis für deren soziale wie auch ökologische Verträglichkeit. Die Anpassungsfähigkeit der Wohnung zeichnet einen nachhaltigen Lebensraum für wechselnde Lebensumstände aus. 

Entfernbare Schwellen ermöglichen den verhältnismässig einfachen Auf- und Rückbau von Wohnungstrennwände ohne zusätzliche Massnahmen an Boden und Decke. Die Wohnungen können so schrumpfen oder wachsen.

Baumhaus

Mit ihren kompakten Volumen zwischen den bestehenden Bäumen entlang der Bahnhofstrasse eignen sich die beiden südlichen Bauten für die dichte Anordnung kleinerer Wohneinheiten. Um die effiziente Befüllung der Bauten zu forcieren, spannt sich ein zugehöriger Gemeinschaftsbereich als fix definierter Raum in die Eschliessungsfigur zwischen den Bauten und öffnet sich mit grosser Verglasung nach Süden. Gemeinsam mit diesem Fenster bildet im Südosten der Parzelle ein kleiner Platz samt Kita oder quartiersoffenem Café das Gesicht und die öffentliche Anlaufstelle der Genossenschaft für die Gemeinde Dielsdorf. 

AuftraggeberIn

Wohnbaugenossenschaft Wohnigdachs

 

Auftragsart

Planerwahlverfahren, Neubau Mehrfamilienhäuser

Wohnsiedlung Salzweg, Zürich

  • Offener einstufiger Wettbewerb 6. Rang, 2021

Laube ohne Gang

In seiner klassischen Ausführung überzeugt der Laubengang durch die vollflächige Belegung des Inneren durch Wohnungen sowie die Effizienz seiner aussenliegenden Erschliessung. Die Transformation dieser Typologie vom Laubengang zur reinen Laube eröffnet den Wohnungen am Salzweg ein Potential, welches sich entscheidend auf deren Effizienz und Qualität auswirkt. Sternförmig statt linear angeordnet, erschliessen die Lauben jeweils nur eine Wohnung. Nicht nur brandschutztechnisch, sondern auch funktional lässt dies die Laube zum Teil der Nutzungseinheit werden.

Neben der dadurch möglichen Möblierung wird die Laube auch zur Adresse, zum Entrée und zum privaten Aussenbereich der Wohnung. Pflanzen und Sitzmöbel finden hier ebenso Platz wie Schuhwerk oder Kinderwägen. Durch die Aufnahme jener Funktionen, welche im Grundriss ausgespart wurden, gewinnen die Wohnungen innen wie aussen an Qualität. Der gewonnene Wohnraum im Inneren wird durch die mögliche Aneignung der Laube zusätzlich ergänzt. Bepflanzte Spaliergitter bilden Absturzsicherung und Filter für die Laube. Sie schützen deren private Bespielung und lassen sie zum vollwertigen Teil der Wohnungen werden. Die optimierten Wohneinheiten samt angeeigneter Erschliessungsfläche bilden die Grundeinheit einer anpassungsfähigen Multiplikation über den gesamten Projektperimeter.

Modulare Stadt

Statt Abstandsgrün und Buchsbaumhecke erwächst der Landschaftsgestaltung ein kontrastreicherer Natur- und Erholungsraum. Hochstämmige Bäume und weiche Böden verströmen Waldgeruch und schaffen den bewussten Gegenpol zur hohen Dichte der Überbauung. Grossgehölze und Spontanvegetation bilden einen wildwachsenden Teppich, aus dem sich die durchgehend weissen Dächer und Fassaden der Neubauten erheben. Bau und Natur treffen unvermittelt aufeinander, finden aber als verkehrsfreier Wohnnaturraum zur einheitlichen Lesbarkeit und Identität der Siedlung zusammen. Hierarchisch abgestuft bündeln sich die schmaleren Erschliessungspfade der Wohnbauten in einem zentralen Weg und bindet die Wohnungen an die umliegenden Quartiersnutzungen an. Sanft zeichnen skulpturale Sitzmauern potentielle Platzsituationen vor. Als partizipativ gestaltete Lichtungen bieten diese auch innerhalb der Siedlung Raum für Aneignung und Aufenthalt. Die gemeinschaftlichen Nutzungen konzentrieren sich jedoch bewusst entlang der Rautistrasse. Deren Verlauf folgend, gruppieren sich Quartiersplätze, Kindergärten und Atelierräume um drei halboffene Innenhofräume. Analog der Lauben vor den Wohnungen bilden hier spalierartige Palisaden den baulichen Filter dieser Patios zur Strasse. Die durchlässigen Konstruktionen moderieren den Grad der Öffentlichkeit dieser Höfe zum Quartier. Velobörsen und Quartiersflohmärkte können auf den chaussierten Flächen ebenso stattfinden, wie Geburtstagsfeiern und Siedlungstreffen. Die bewusste Trennung zwischen den Wohnbauten im Naturraum und den gemeinschaftlichen Nutzungen in den Patioräumen sichert ein ruhiges und sortiertes Nebeneinander aller Interessen. Die drei Patios komplettieren dabei das Angebot der Überbauung. Als räumliche Einstülpungen rhythmisieren sie die Kontur der Siedlung zur Rautistrasse. Unterschiedlich bespielt, aktivieren sie die Siedlung wie auch das Quartier und bilden so die urbane Adresse der neuen Überbauung zur Stadt.

Flexible Grundrisse

Die Grundrisse sind so konzipiert, dass folgende Punkte erreicht werden:
Die Nettowohnfläche soll kompromisslos nutzbar sein. Keine Korridore und unmöblierbare Flächen. Durch abtrennbare Zimmer werden die Wohnungen vielfältig bespielbar und ermöglichen den Bewohnerinnen und Bewohner weitgehende Nutzungsfreiheiten. Individuelle Tätigkeiten können so gleichzeitig ausgeübt werden. Die Wohnungen können auf einen strukturellen Wandel der Wohnbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner mit veränderbarer Raumaufteilung reagieren.

Durch die Dimensionen und Proportionen der Räume und die konzentrierte Lage von Fenstern und Zugängen sind die Räume gut und vielseitig möblierbar. Die Wohnungen haben vielfältige Ausrichtungen und Blickbeziehungen. Durch das statische Konzept ist das Versetzen, Beseitigen und Erstellen von nichttragenden Wänden und eine Neuverteilung der Wohnfläche möglich und damit die längerfristige Nutz- und Vermietbarkeit gegeben. Innerhalb der immer gleichen Struktur können sämtliche der geforderten Wohnungsgrössen angeboten werden.

Dachform

Maximaler Kniestock

Durch einen baurechtlich maximalen Kniestock von 90cm können die Regelgrundrisse auch im Dachgeschoss angewendet werden. In den Bereichen mit Dachschräge können die Räume bis auf eine Armlänge an die Aussenwand ohne Einschränkung genutzt werden.

Baurechtliche Mantellinie

Die Mantellinie definiert sich mittels dem Kniestock, dem 45° Dachwinkel und der Drittelsregelung für Gauben. Die Gaube darf eine maximale Höhe von 1.5 x der Regelgeschosshöhe nicht überschreiten.

Dachform

Innerhalb der Mantellinie wird eine polygonale Dachform so gestaltet, dass alle Flächen mittels Gefälle entwässert werden können. Die L-förmigen aufgesetzten Dachrinnen dienen gleichzeitig als Schneefang.

AuftraggeberIn

Stadt Zürich

 

Auftragsart

offener Wettbewerb, Bauen im Bestand mit 238 Wohnungen und Kindergarten

 

Gesamtbaukosten

CHF 80 Mio

 

Landschaftsarchitektur

Atelier Tijssen Preller Landschaftsarchitekten GmbH

Um- und Anbau Einfamilienhaus, Oberrieden

  • Planung und Ausführung, 2018 – 2019

Anbau

Anbau

Die Liegenschaft befindet sich an der Fachstrasse in Oberrieden am Zürichsee. Einem Einfamilienhaus aus den 1940er Jahren wurde mittels eines Anbaus eine neue Terrasse mit Seeblick, sowie eine Erweiterung des Wohnraumes geschaffen.

Die Tragkonstruktion besteht aus drei tragenden Stützen mit einer darüberliegenden Terrassenplatte, darunter wird eine Wohnbox mit direktem Zugang zum Garten eingeschoben. Ein neues Bad und die Erneuerung der inneren Oberflächen und der Haustechnik modernisiert das Haus für die kommenden Jahre.

AuftraggeberIn

Privat

 

Auftragsart

Direktauftrag

Wohnsiedlung Drosselweg, Lenzburg

  • 2020 – 2022 Planung, ab 2022 Ausführung durch andere Firma

Eine Familie Häuser

Am Südhang des Goffersberg gelegen und mit Blick in die angrenzende Kulturlandschaft bietet die zu bebauende Parzelle optimale Wohnbedingungen. Die Randlage Lenzburgs ist seit jeher Hoheitsgebiet flächenintensiver Einfamilienhäuser. Intime Wohnwelten mit privaten Gärten und Ausblick bilden die Wünsche der hier lebenden Menschen ab. Die sechs eng gestaffelten Neubauten versöhnen diesen Traum vom Eigenheim mit der geforderten Ausnutzung des Grundstücks. Mehrere Generationen der Bauherrenfamilie finden hier sowohl die Intimität des eigenen Zuhauses als auch die gewünschte Nähe zueinander.
Beidseitig entlang einer engen Gasse gestaffelt, besetzen die zweigeschossigen Häuser die Hälfte der verfügbaren Fläche. Analog dem Beispiel englischer Siedlungstypen fassen sie die Zwischenräume zu privaten Aussenbereichen. Die brandsicheren Rückwände der Obergeschosse erlauben den geringen Abstand der Bauten untereinander. Fensterlos sichern sie die Intimität der benachbarten Gärten und Erdgeschosse. Der bestehenden Topografie folgend bieten die Obergeschosse den ungehinderten Blick in die talseitige Landschaft. Ebenerdig orientieren sich die Räume dagegen zum intimen Aussenraum. Grossflächig öffenbar lassen sich die Bereiche Wohnen, Kochen und Essen bis zur Rückwand des folgenden Obergeschosses ausweiten.
Durch zweigeschossige Wohnbereiche entstehen im Obergeschoss neben den Individualzimmern auch attraktive Galerieebenen. Die vollflächigen Verglasungen der südseitigen Fassaden geben dabei nicht nur den Blick in die Natur frei sondern sichern auch die angemessene Belichtung aller Räume in den rund acht Meter tiefen Volumen.

Englische Hintergartentypologie als Referenz

Grundrisse

AuftraggeberIn

Privat

 

Auftragsart

Direktauftrag

«Villy» Ersatzneubau Goldacker 1A, Zürich

  • Offener zweistufiger Wettbewerb 1. Rang, 2020-2025 Planung und Ausführung

Das Projekt Villy greift nicht auf den bekannten städtischen Blockrand zurück, sondern auf die dicht stehenden Einzelhäuser in den Zürcher Quartieren der Gründerzeit. Dem Projekt liegt die Idee eines gewachsenen Stadtquartiers zugrunde − ein Ort, an dem viele Menschen in Zürich leben möchten. Villy bietet Wohnungen, die allseitig belichtet sind und Ausblicke in alle Himmelsrichtungen gewähren. Und es sieht eine Bebauung vor, welche die offenen Grünräume im Goldacker erhält und diese durch ein dichtes Wegnetz und baumbestandene Plätze für die Bewohner/-innen nutzbar macht.

Um die Idee des bürgerlichen Wohnens ins genossenschaftliche zu übersetzen, hat Villy den Bautyp der Dreiergruppe entwickelt: drei Häuser, die über offene Lauben erschlossen sind. Die Dreiergruppe schafft eine übersichtliche Grösse, in der Nachbarschaften funk- tionieren. Die Begegnungsflächen fördern das Zusammenleben und bieten Raum für gemeinsame Vorhaben. Der gewählte Bautyp fügt sich gut in die Hanglage ein. In der Vervielfältigung und in unterschiedlicher Optik bildet er ein abwechslungsreiches Stadtquartier.

Siedlung als Stadt

Die Wohnüberbauung am Zürcher Goldacker vermeidet bewusst die Geste der Grossform. Stattdessen besetzt sie die abfallende Topografie des Perimeters mit Einzelbauten im städtischen Massstab. Vier- bis fünfgeschossige Baukörper mit Satteldächern nehmen je eine von sieben unterschiedliche Grundrissorganisationen auf. Von doppelten 2.5-Zi.-Wohnungen bis zu Clusterwohnungen wiederholen sich die Anordnungen über sämtliche Obergeschosse der Häuser und erzeugen so die Dimension der einzelnen Baukörper.

Auf schmalem Fussabdruck betten sich die Bauten in die bestehende Topografie ein und formieren Einheiten von jeweils drei unterschiedlichen Haustypen. Ausgerichtet auf einen Platz in angemessener Proportion, teilen sich diese drei Häuser eine aussenliegende Erschliessung, die – neben den privaten Balkonen – auch als Aussenraum der jeweiligen Etagen dient.

Zusammenleben im Innen- und Aussenraum

Den platzbespielenden Flächen der Erdgeschosse werden die gemeinschaftlichen Nutzungen der Dreiereinheiten zugeordnet.
Waschküchen, Pflanzräume und Velowerkstätten ergänzen dabei Gemeinschaftsräume und aneignungsoffene Flächen, auf die die Bewohner in Eigenverwaltung als temporäre Arbeitsplätze, Sporträume oder auch Gästeunterbringungen zugreifen können. Die äussere Gestaltung mit variierenden Platzbelägen und wechselnden Fassadengestaltungen individualisiert die einzelnen Einheiten zusätzlich. Eine erhöhte Identifikation gegenüber ihrer eigenen Einheit fördert die Zugehörigkeit und Eigenverantwortung der Bewohner innerhalb der gesamten Wohnüberbauung.

Die Einteilung der Wohnungen passt sich den wechselnden Bedürfnissen der Bewohnenden an. Die Grundrisse der Wohnungen bestehen aus einem Zimmer- und einem Wohnbereich, wobei die mittig platzierten Funktionsräume – Küche, Nasszellen und Stauraum − den Wohnbereich wiederum unterteilen. So entstehen zwei abgetrennte Bereiche für Wohnen, Essen und Kochen und ein intimer Zugang von den Zimmern zu den Nasszellen. Dank Schiebetüren lässt sich die Wohnung weiter unterteilen und flexibel gestalten, beispielsweise wenn das Wohnzimmer als separater Raum genutzt werden will.

Entsprechend der sozialräumlichen Zuordnungen unterscheiden sich die Freiraumbereiche im atmosphärischen Gehalt und Ausdruck. Neben den bachnahen Bereichen mit ihrer natürlichen Ufervegetation, beschreiben
die Zwischenräume der Wohnbauten eine präzis gesetzte und nutzungsorientierte Vegetation. Der Quartierplatz im Zentrum der Siedlung und des Parkstreifens interpretiert den Döltschibach als Inszenierung im städtischen Kontext.
Entlang der Triemli- und Rossackerstrasse begleiten und bereichern Einzelgehölze und Kleingruppen die Erschliessungsachsen im Quartier. An der Kreuzung Rossacker- und Bergwiesen enden die strassenbegleitenden Gehölzpflanzungen in den Gehölzstrukturen der neu geschaffenen Platzsituation. Schwarz-Erle, Schwarz-Pappel, Stiel-Eiche oder Ahorne statten den Bachraum aus und ergänzen den Gehölzbestand. Stiel-Eiche, Nussbaum oder die Elsbeere beschreiben beispielhafte Gehölze, welche als stattliche Einzelbäume oder Kleingruppen gepflanzt, die gemeinschaftlichen Plätze der Gebäudegruppen ausstatten.
Gebäudezugänge und öffentliche Wegeverbindungen sind als Hartflächen ausgebildet, untergeordnete Wegeverbindungen werden chaussiert. Die Gemeinschaftsplätze der zugehörigen Wohnbauten vermitteln den Bewohnern den Eindruck eines erweiterten Wohnbereiches und sind als teppichartige Plattenbeläge angedacht, gerahmt von Vegetationsflächen und Gehölzen.
Infrastrukturen für Velo-Parkierung und Aufenthalt finden sich, entsprechend der multifunktionalen Programmierung, als Möblierung auf den Gemeinschaftsplätzen. Infrastrukturen für die Entsorgung sind als Unterflursysteme, dezentral, den Erschliessungsstrassen angelagert.

Konstruktion

Alle Gebäude folgen den gleichen Konstruktionsprinzipien und weisen eine repetitive Geometrie auf, die eine effiziente Planung und Realisierung ermöglicht. Die Sockelgeschosse sind durchwegs in Massivbauweise aus Ortbeton mit Recyclingzuschlägen konzipiert. Damit wird ein robuster, steifer Kasten geschaffen, der als Auflager für die reine Holzbauweise der Obergeschosse dient. Die Lasten werden mehrheitlich über Injektionsrammpfähle in den Untergrund abgetragen. Nur dort, wo das Gewicht der Neubauten den Wiederbelastungsbereich des Aushubes nicht überschreitet, ist eine Flachfundation mit einer durchgehenden Bodenplatte möglich. Die gebäudeweise zu erstellenden Baugruben können mehrheitlich geböscht werden. Nur bei den zwei grösseren Hanganschnitten entlang der Birmensdorferstrasse sind zur Sicherung Nagelwände erforderlich.

AuftraggeberIn

Baugenossenschaft Sonnengarten

 

Auftragsart

offener Wettbewerb, Ersatzneubau mit 149 Wohnungen, Kindergarten und Kindertagesstätte

 

Gesamtbaukosten

CHF 65 Mio

 

Baumanagement

GMS Partner AG

 

Landschaftsarchitektur

Gersbach Landschaftsarchitektur

Wohnsiedlung Luchswiese, Zürich

Offener einstufiger Wettbewerb 2022, 2. Rang

Ein Abbruch der bestehenden Wohnzeilen mit ihren 72 Wohnungen fördert weder die Schaffung eines Maximums an günstigem Wohnraum, noch gelingt durch ihn eine quartierverträgliche Nachverdichtung der Siedlungsstruktur – im Gegenteil: beidem steht er im Wege. Selbst bei maximaler Ausnutzung der Parzelle bedeutet der reine Neubau ein Minus an Wohneinheiten. Doch der Abbruch verbietet sich nicht nur aus Gründen der Effizienz und Ökologie, sondern auch aus ortsbaulichen, soziologischen und typologischen Überlegungen heraus. Eine nachhaltige Transformation kann durch Kahlschlag nicht gelingen. Im Sinne einer verträglichen Eingriffstiefe in das Ortsbild, wäre der totale Ersatz ein schädlicher Eingriff, sowohl in die Siedlungsstruktur als auch in die Bewohnerschaft.

Eine sinnstiftende Ergänzung bestehender Bauten ist die weitsichtigere Alternative: Sie verhindert die sukzessive Verdrängung der Bewohner und hält so die wichtige Identifikation mit dem Quartier aufrecht.

Baulich aber auch soziologisch sichert sie eine verträgliche und kontinuierliche Siedlungsbiografie. Nicht zuletzt sichert der Erhalt der Bauten in Schwamendingen auch ein signifikantes Plus an Wohnungen. Seit ihrer Entstehung 1961 liefern die drei bestehenden Zeilenbauten vielseitigen und beliebten Wohnraum. Die Grundrissdisposition weist multifunktionale Räume in einer effizienten Kammerstruktur aus, ergänzt durch optimierte und leistungsfähige Küchen und Bäder. Der Flächenbedarf der Wohnungen liegt unter den heutigen Vorgaben der Wohnbauförderung, entpuppt sich aber eben dadurch als zukunftsweisender Fingerzeig. Die bestehenden Wohnungen bieten vieles auf, worauf die aktuellen Bestrebungen nach einem suffizienten Wohnstandards mit minimiertem individuellem Flächenverbrauch hin abzielen. Ihr Erhalt ist mehr als sinnfällig und sichert für die Überbauung ein Gesamtangebot an bedarfsgerechtem und äusserst günstigem Wohnraum.

Günstiger Wohnraum

Durch den Erhalt der Bestandsbauten und die Platzierung neuer Bauten zwischen ihnen lässt sich ein absolutes Maximum an Wohnungen ausreizen. Nur so kann dem obersten Gebot, der Sicherstellung von günstigem Wohnraum, Folge geleistet werden: Neben den 72 Wohnungen der Bestandsbauten entstehen in den beiden Neubauten weitere 32 Einheiten, welche das bestehende Angebot mit familientauglichen Gross- und altengerechten Kleinwohnungen abrunden. In der Summe entstehen 104 statt der ursprünglich anvisierten 58 Wohnungen! Eine ökonomisch, soziologisch und wirtschaftlich positive Gesamtbilanz, die durch einen Abbruch verhindert würde.

Mietkostenvergleich

Der Erhalt der Bestandsbauten erlaubt es zudem, mit den Anlagekosten rund CHF 6.8 Mio. unter den erwarteten Erstellungskosten zu bleiben. Dies führt dank Kostenmiete dazu, dass es geschafft wird, im sanierten Bestand eine 1-Zimmerwohnung knapp über CHF 300 Monatsmiete zu erreichen. Eine 4-Zimmerwohnung liegt unter CHF 900 Mietpreis pro Monat. Eine 1-Zimmerwohnung im Neubau wird so für etwas über CHF 600 Monatsmiete und eine 6-Zimmerwohnung unter CHF 2000 pro Monat verfügbar sein.

Die pauschalisierten Investitionskosten nach Wohnbauförderungsverordnung kann so um fast 50% unterschritten werden. Hinzu kommt, dass die sehr kompakten Wohneinheiten in den Bestandsbauten sowie die effiziente Erschliessung in den Neubauten den Wohnungsmix pragmatisch erfüllen und so zu viel Wohnraum bei wenig Verkehrsfläche und Fassadenabwicklung führen. Die langlebigen und pflegeleichten Materialien erlauben es zudem die Betriebskosten langfristig tief zu halten.

Struktur und Materialität

Auch in der Erscheinung der Bauten ist die Zusammengehörigkeit von Alt und Neu ablesbar. In Anlehnung an den Bestand sind die Fassaden der Neubauten mit Eternittafeln verkleidet. Dahinter verbirgt sich eine hybride Konstruktion: Die unteren Geschosse sind aus Ortbeton gegossen, während die oberen Wohngeschosse in Holzbauweise vorgesehen sind. Über sämtliche Geschosse bestehen die Aussenwände aus vorfabrizierten Holzbauelementen und die Decken aus CLT Massivholzdecken. Neben der so reduzierten grauen Energie der Tragstruktur wird auch im Ausbau auf eine Verwendung nachhaltiger Materialien gesetzt. So könnten die neuen Lehmböden aus jenem Rohmaterial gefertigt werden, der beim Aushub der beiden Neubauten gewonnen und zwischengelagert wird. Die Neubauten werden im Minergie-P ECO Standard erstellt. Die Bestandsbauten werden energetisch so optimiert, dass sie bei einem GEAK (Gebäude Energie Ausweis der Kantone) die Stufe C bei der Gebäudehülle sowie bei der Gesamtenergieeffizienz erreichen. Auf dem Dach der Neubauten und rund einem Drittel der Bestandsbauten wird, nebst der Begrünung, zudem eine leistungsstarke PV-Anlage installiert.

Den grössten Einfluss hat hingegen die Einsparung an grauer Energie von über 2‘500‘000 kWh und 700´000 kg CO2 Äquivalenz, welche rein in den Bestandsbauten schlummern und durch die Weiterverwendung wesentlicher Bauteile eingespart werden können. Bei einem kompletten Neubauszenario würde diese wertvolle Bausubstanz abgerissen und neu realisiert werden. Die Energiebilanz der grauen Energie und Heizenergie ist nach ~16 Jahre bzw. ~21 Jahren ausgeglichen. Da die Heizenergie nach der Sanierung primär aus erneuerbaren Energien (Fernwärme/Photovoltaik) besteht, werden die Belastungen, die die Erstellung des Gebäudes verursacht, im Verhältnis bedeutender.

Bestand

Bestand

Die bestehenden Wohnungen bieten vieles auf, worauf die aktuellen Bestrebungen nach einem suffizienten Wohnstandards mit minimiertem individuellem Flächenverbrauch hin abzielen. Ihr Erhalt ist mehr als sinnfällig und sichert für die Überbauung ein Gesamtangebot an bedarfsgerechtem und äusserst günstigem Wohnraum.
Auch die bauliche Substanz der Bestandsbauten legitimiert ihren Abbruch nicht. Das Ende der Lebensdauer ist bei weitem nicht erreicht, was den Abbruch ökologisch, aber auch ökonomisch in Frage stellt. Kein Ersatz ist günstiger als der Erhalt. Die solide Grundstruktur der Bauten wurde 1991 saniert und kann darauf aufbauend durch einen weiteren Durchlauf mit überschaubaren und sinnvollen Massnahmen effizient für die Zukunft ertüchtigt werden. Der Ersatz der Fenster und eine Optimierung der Dämmung auf dem zum Flachdach rückgebauten Dach optimiert die Gebäudehülle. Im Zuge einer Pinsel- und Strangsanierung werden die innersten Oberflächen aufgefrischt sowie die Küchen und Bäder auf einen zeitgemässen Stand gebracht. Diese Ertüchtigungen sichern den Status Quo der Wohnungen und vermindern durch schmalen Eingriffe Hindernisse, wo immer möglich.

Eine Hindernisfreiheit auf allen Ebenen ist jedoch nicht zu erlangen, kann aber durch die neu entstehenden Bauten abgefedert und durch das umfassende und stetig wachsende Immobilienportfolio der Stadt Zürich ausgeglichen werden. Nicht ohne Investitionen aber mit einem angemessenen Aufwand kann der Bestand auf einen baulichen Zustand gehoben werden, welcher dem eines Neubaus nicht nachsteht. So bieten die drei bestehenden Wohnzeilen für weitere Generationen ihrer Bewohnerklientel leistungsfähige und ansprechende Wohnungen, welche eine ebenso lange Lebenserwartung aufweisen, wie die zwischen ihnen ergänzten Neubauten.

Neubauten

Eine Besonderheit der zu beplanenden Parzelle begünstigt die sinnfällige und massvolle Einpassung neuer Bauten zwischen den Bestandszeilen. Durch zwei querstehende Garagenzeilen dehnt sich der Raum zwischen den Bauten auf ein Mass von 37 Meter – eine Distanz, welche die Abstände der umgebenden Siedlungsstruktur spürbar übersteigt. Der Rückbau der Garagen spielt Räume frei, in denen sich zwei Neubauten verträglich einpassen, ohne die Funktionsweise der Bestandsbauten zu tangieren – im Gegenteil: Die verdichtende Ergänzung führt das Verhältnis von Masse und Freiraum näher an jenes der umgebenden Bebauung und bewahrt trotz Nachverdichtung fliessende Grünräume durch eine aufgelockerte und authentische Bebauung als prägendes Quartiermerkmal Schwamendingens.

Die Regelung der Arealüberbauung gewährt den neuen Bauten eine Höhe von sieben Vollgeschossen. Der Zuschlag für Mehrlängen und Mehrhöhen verkürzt ihre Dimension, so dass sich die Köpfe der Bauten beidseits gegenüber den Zuwegungen zurückversetzen. Die Setzung zwischen den Bestandsbauten ist dagegen asymmetrisch. Bewusst rücken die neuen Baukörper 14 Meter von der Westfassade des jeweils östlichen Bestandblocks ab und belassen einen Abstand von 8 Metern zu den Ostfassaden des gegenüberliegenden Blocks. So wird die Besonnung der nach Westen orientierten Wohnräume der Bestandsbauten ebenso gesichert, wie die Morgensonne für die Aussenbereiche der neuen Kita- und Betreuungsräume.

Die Westflanken der Neubauten nähern sich den Ostfassaden der bestehenden Bauten, hinter denen sich die Treppenhäuser, Küchen und Bäder befinden. Die wenigen Schlafräume in diesem Bereich profitieren von der azyklischen Bespielung der Betreuungs- und Kita-Angebote in den gegenüberliegenden Neubaugeschossen. Die Sortierung der implementierten Nutzungen im Neubau generiert eine klar städtische, aber dennoch verträgliche Nachbarschaft – auch dadurch, dass sie die neuen Wohnungen über den Horizont der bestehenden Siedlung erhebt.

Genug Platz für alle

Trotz der generierten Dichte und der Stapelung unterschiedlicher Nutzungen in den Neubauten ist ein störungsfreies Nebeneinander zwischen Wohnen und Schulnutzung gewährleistet. Gemeinsamkeit ist möglich, wird aber nicht erzwungen. Während sämtliche Wohnungen über die bestehende Luchswiesenstrasse erschlossen werden, erfolgt die Zuwegung der Betreuungsangebote über einen neu angelegten Weg im Süden. Die Strassenparzelle bleibt in ihrer Form grundsätzlich erhalten. Durch die Verlagerung des Trottoirs auf die südliche Seite entsteht zwischen neu gepflanzten Alleebäumen ausreichend Raum für die verkehrstechnische Infrastruktur und städtische Entsorgungseinrichtungen. Die Übergänge in die schmaleren Erschliessungsgassen der Wohnbauten sind durch Velobügel und einzelne Pflanzen, die den Fassaden emporsteigen können, markiert. Von hier leiten Ortbetonstreifen Bewohner wie auch Besucher zu den jeweiligen Eingängen. Der Höhenunterschied von 45 Zentimetern zu den Bestandsbauten wird durch ein Podest mit Sitzstufe aufgefangen, welches entlang der gesamten Erschliessungsgasse verläuft. Atmosphärisch untermalt wird dieser Zwischenraum durch Spannleuchten zwischen den Gebäuden.

In den breiteten Zwischenräumen begegnen sich die Aussenflächen der Kita- Angebote und die Aussenbereiche der bestehenden EG-Wohnungen. Auch diese Privatgärten werden, leicht erhöht, durch eine Sitzmauer begrenzt und sind an bestimmten Stellen durch wenige Stufen mit den Gemeinschaftsflächen verbunden. Der Verlauf der Sitzmauer ist bewusst gestaltet. Durch Vor- und Rücksprünge bildet er unterschiedliche Raumsituationen, die den Anforderungen des Kita-Aussenbereichs gerecht werden und sich so auch der Situation der bestehenden Bäume anpassen. Der Baumbestand bildet ein wesentliches Grundgerüst, um den Garten in seinem Charakter und Ausdrucksform zu erhalten. Auch die Wege und Belagsflächen sollen den Fluss dieses bestehenden Grünraums nicht dominieren. Durch einzelne Interventionen werden kleinere Platzflächen aktiviert und für die Bewohnerschaft zugänglich gemacht. Entflochten von den Zugängen der Wohnungen in den schmaleren Gassen erschliessen hier einzelne längliche Betonplatten mit Rasenfugen die Zugänge der Kita-Angebote und binden sie über den neu angelegten Weg im Süden an die Schulanlage im Westen und die Luchswiesenstrasse im Osten an.

Innere Organisation

Die räumliche Entflechtung der Erschliessung im Äusseren, setzt sich im Inneren der Neubauten fort: In jeweils einer prägnanten kreisförmigen Doppelhelix werden die unterschiedlichen Bereiche gemeinsam, aber räumliche entkoppelt erschlossen: Von Süden kommend werden die Schulangebote über die Aussenbereiche vor der Ostfassade erreicht. Grossräumige Eingangsfoyers schliessen direkt an einen Strang der Doppelhelix an und erschliessen in offener Spiralbewegung die drei Geschosse der Betreuungs- und Schulräume. Dem gegenüber steht der zweite, geschlossene Strang der Doppelhelix. Dieser mündet in einen Eingangsbereich an der Westfassade der Neubauten und wird – analog den Zugängen der Bestandsbauten – von der nördlichen Strasse aus erschlossen. Dieser Treppenstrang führt bis in die Obergeschosse, bildet auf den unteren Ebenen das Fluchttreppenhaus der Schulnutzungen und erschliesst in den Wohngeschossen sämtliche Einheiten als wirtschaftlicher und doch äusserst identitätsstiftender Vierspänner.

Die Geometrie der Erschliessung wird auch in die Organisation der Wohnungen übertragen. Im Zentrum der Wohnflächen ordnen sich Stauräume, Küchen und Bäder in ebenfalls runden Kernen an. Diese wiederholen nicht nur das identitätsstiftende Moment der Doppelhelix, sondern generieren auch räumliche Vorteile: Die konvexe Aussenform der Kerne leitet den Raumfluss der gemeinsamen Wohnflächen ohne Gangbereiche ineinander über. Die raumöffnende Wirkung in Entrées und Küchen erlaubt eine optimale Flächenausnutzung und ermöglicht zudem die effiziente Anordnung der peripheren Zimmerschichten entlang der Aussenwände.

Die Grosszügigkeit des Wohnerlebnisses basiert somit auf einem flächensparenden Prinzip der räumlichen Organisation. Auch in den Geschossen der Schulnutzungen erscheint die Kreisgeometrie als wiederkehrendes Element. Neben der Garderobe der Kita, welche aus einer radialen Erweiterung der Erschliessung entsteht, befinden sich auch sämtliche Nasszellen in runden Kernen. Zwischen ihnen spannen Wände mit flexiblen Falttüren, die durch die Möglichkeit wandelbarer Raumorganisation eine maximal flexible Bespielung der Räume erlaubt. Das Abtrennen einzelner Bereiche ist ebenso möglich wie das Zusammenschalten der Räume zum Atelierunterricht.

Dachgärten

Durch die Besetzung der Räume zwischen den Wohnzeilen entsteht ein dichtes Nebeneinander. In ihrer Setzung beanspruchen die Neubauten einen Aussenraum, welcher vorher den Bewohnern der Bestandsbauten zur Verfügung stand. Zur Kompensation dieser Besetzung werden die Walmdächer der Bestandsbauten abgetragen und als Dachgärten aktiviert. Diese stellen einen halböffentlichen Raum dar, der eine Zwischenstufe zwischen den öffentlichen, stark frequentierten Erschliessungswegen und den privaten Aussenräumen der Wohnungen darstellt. Die Dachgärten stehen der Aneignung durch die Bewohner offen, und dies bewusst über die Gebäudegrenzen hinaus. Als Symbol der Zusammengehörigkeit der fünf Bauten verbinden deutlich wahrnehmbare Fachwerkbrücken die einzelnen Häuser miteinander.

Ein einheitlicher Belag, der sich über diese Brücken und Neubauten erstreckt, verbindet die Terrassen zu einer zusammenhängenden Landschaft und animiert einen Bewegungsfluss der Bewohnerschaft auf dieser Ebene der geschützten Dachgärten. Auf den drei entstehenden Dachflächen wird jeweils eine Pergola mit Beschattungselementen positioniert. Die begehbaren Bereiche werden mit einem Geländer gefasst und geben den offenen Blick in die Umgebung frei. Die Fugen der verlegten Betonplatten werden in den Aufenthaltsbereichen und Wegeverbindungen gestossen verlegt und ermöglichen so die barrierefreie Erschliessung. Nach aussen vergrössern sich die Splittfugen und erzeugen ein spannendes Belagsmuster, das auch Spontanvegetation zulässt. Auf nicht aktivierten Dachflächen wird neben der Photovoltaikanlage eine extensive Begrünung vorgesehen.

Neben der räumlichen Verbindung leisten die Dachgärten aber vor allem den sozialen Zusammenschluss der Bewohnerschaft. Die Möglichkeit der Aneignung stärkt den Zusammenhalt und initiiert eine gemeinschaftliche Benutzung. Die Organisation von Hochbeeten oder gar die partizipative Mitwirkung im Planungsprozess der Terrassengestaltung können die Identifikation der Bewohner als Gemeinschaft zusätzlich stärken.

So können die Dachgärten unterschiedlich durch die Häusergemeinschaft bespielt und gestaltet werden. Von Yogaklassen bis Tischtennisturnieren und Grillieren ist vieles möglich. Der aneignungsoffene Verbund aller Bauten wirkt einer Hierarchisierung zwischen alten und neuen Bauten entgegen und formt aus ihnen eine Identifikationsgemeinschaft – baulich wie auch soziologisch.

  • AuftraggeberIn

    Stadt Zürich

     

    Auftragsart

    offener Wettbewerb, Bauen im Bestand mit 104 Wohnungen, 4 Kindergärten

     

    Gesamtbaukosten

    CHF 49 Mio

     

    Landschaftsarchitektur

    MOFA urban landscape studio GmbH